Nuklearmedizinische
Klinik, Klinikum Herford
Chefarzt
Dr. med. H. Arlt
Schilddrüse
Schilddrüse und Herz
Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
Schilddrüsenhormone wirken direkt an der Herzmuskelzelle und beeinflussen die Herzaktion über das sympathikoadrenale System und weisen über zirkulatorische Veränderungen indirekte Effekte am Herzen auf.
Kardiovaskuläre Symptome prägen das typische Krankheitsbild der Hyperthyreose:
Bei jugendlichen Patienten steht der chronotrope Effekt mit auch nachts anhaltender Ruhetachykardie und Palpitationen im Vordergrund.
Bei älteren Patienten stellt häufig ein Vorhofflimmern mit Tachyarrhythmia absoluta einschließlich der Komplikation embolischer Ereignisse (Indikation zur Antikoagulation) einen ersten und alleinigen Hinweis auf eine beginnende Hyperthyreose dar.
Die Herzrhythmusstörung kann bereits bei subklinischer Hyperthyreose auftreten. Bereits bei einer subklinische Hyperthyreose wurde ein dreifach erhöhtes Risiko für das Auftreten eines Vorhofflimmerns im Zeitraum von 10 Jahren im Vergleich zu schilddrüsengesunden Personen nachgewiesen.
Häufig lässt sich eine Belastungsdyspnoe erfragen, ohne dass ein röntgenmorphologisches Korrelat besteht. Weitere Manifestationen stellen eine Herzinsuffizienz mit Lungenstauung und Beinödemen sowie pektanginöse Beschwerden dar.
Therapeutisch werden ß-Blocker (Propranolol 3 x 10-40 mg/d) zur symptomatischen Therapie der kardialen Übererregbarkeit bei Hyperthyreose mit gutem Erfolg eingesetzt. Propranolol weist zusätzlich einen geringen Hemmeffekt auf die Konversion von T4 zu T3 auf.
Kontraindikationen (Asthma bronchiale) sind zu beachten.
Die Dosierung richtet sich üblicherweise nach der Herzfrequenz (Zielwert 80-90/min). Die Gabe von ß-Rezeptorenblockern kann die hyperthyreosebedingte Dyspnoe verbessern, ist aber bei schlechter Pumpunktion nur mit großer Vorsicht einzusetzen.
Die Wirksamkeit von Digitalis zur Frequenzsenkung bei absoluter Arrhythmie oder Therapie der Herzinsuffizienz ist bei der Hyperthyreose herabgesetzt. Die therapeutische Breite des Medikamentes ist gering.
Bei kardialen Symptomen ist bereits im Stadium der subklinischen Hyperthyreose eine schilddrüsenspezifischeTherapie (z. B. Radioiodtherapie der funktionellen Autonomie) gerechtfertigt, wenn sie auch nicht in jedem Fall als
alleinige Therapiemaßnahme zum Erfolg führt.