Thyreoglobulin (htg) als "Tumormarker"
Thyreoglobulin wird im Körper ausschließlich von Schilddrüsengewebe produziert wird. Es dient der Herstellung von Schilddrüsenhormon.
Auch bei Schilddrüsengesunden ist das Thyreoglobulin in geringen Mengen im Blut nachweisbar. Seine Bestimmung hat außer bei speziellen Fragen (fehlende Schilddrüse bei Neugeborenen, Verdacht auf Vorliegen einer künstlichen Schilddrüsenüberfunktion durch Einnahme von Schilddrüsenhormon) keine Bedeutung.
Bei Patienten mit Schilddrüsenkrebs sinkt das Thyreogloblin nach chirurgischer Entfernung der Schilddrüse in der Regel unter 10 bis 20 ng/µl. Nach Entfernung des letzten Schilddrüsenrestgewebes durch eine Radioiodtherapie liegt es schließlich unter 1 ng/µl. Das humane Thyreoglubulin (hTG) kann dann als "Tumormarker" genutzt werden.
Liegt das Serum-Thyreoglobulin über 1 bis 2 ng/ml oder steigt es an, besteht Verdacht auf noch verbliebenes und/oder wachsendes Schilddrüsentumorgewebe im Körper.
Nicht immer muß das Schilddrüsen(tumor)gewebe auf der I-131-Ganzkörperszintigraphie sichtbar sein - nur ca. 70 % aller Metastasen speichern Radioiod. Bei den allermeisten Patienten läßt sich bei gezielter Suche die Ursache der hTG-Erhöhung finden und dann auch behandeln. Es gibt jedoch einige wenige Patienten, bei denen sich auch bei wiederholtem Einsatz aller diagnostischen Methoden keine Ursache für eine anhaltende hTG-Erhöhung finden läßt. Klinische Erfahrung legen nahe, daß diese Patienten trotz der hTG-Erhöhung eine gute Prognose haben.
Der zuverlässige Nachweis von Thyreoglobulin im Blut ist ein komplexes Problem. Verschiedene Testkits verschiedener Hersteller dienen dem empfindlichen Nachweis von hTG. ADie Nachweisgrenze guter Labortests liegt in etwa bei 0.2 bis 0.3 ng/µl.
und Interpretation der Meßwerte in der Nachsorge des Schilddrüsenkarzinoms:
Schilddrüsen(tumor)gewebe produziert Thyreoglobulin in Abhängigkeit von dem Spiegel des von der Hirnanhangsdrüse produzierten TSH. Ist das TSH - wie in der Regel erwünscht - unter 0.1 bis 0.2 mU/l gesenkt (TSH-Suppression) lassen sich über die hTG-Bestimmung im Blut nur ca. 80 % aller Absiedlungen des Schilddrüsenkarzinoms nachweisen.
Unter
TSH-Stimulation (TSH > 30 mU/l - entweder durch
Schilddrüsenhormonabsetzen oder nach Gabe von gentechnisch
hergestelltem TSH) steigt das hTG im Blut auf das bis zu 20-fache.
Das
Schilddrüsentumorgewebe produziert kein Thyreoglobulin (dies kann bei
niedrig differenzierten Tumoren der Fall sein) oder es produziert ein
"krankes" Thyreoglobulin, welches von den spezifischen
anti-TG-Antikörpern des Tests nicht erkannt wird. Für
Verlaufskontrollen sollte das Thyreoglobulin nach Möglichkeit in demselben
Labor mit demselben Test bestimmt werden.
Der
Patient selbst hat Antikörper gegen das Thyreoglobulin gebildet. Diese
reagieren nun mit dem Thyreoglobulin in der Blutprobe und fangen so den
anti-TG-Antikörpern des Labor-Test die Bindungsstellen weg. Der Test mißt
dann falsch niedrige Werte.
Der
Meßbereich des Tests wird nach oben hin überschritten (sog. High-dose
hook-Effekt). In diesem Falle muß das Serum der Blutprobe des Patienten
verdünnt und der Test wiederholt werden.
Der Patient hat noch Schilddrüsenrestgewebe, welches hTg produziert. In diesem Falle kann anhand der Blutwerte nicht entschieden werden, ob das hTG aus dem Schilddrüsenrest oder aus möglichen Metastasen eines Schilddrüsenkarzinoms kommt.