Nuklearmedizinische
Klinik, Klinikum Herford
Chefarzt
Dr. med. H. Arlt
Schilddrüse
Schilddrüse und Schwangerschaft
Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
Die Schwangerschaftshyperthyreose tritt häufig in der Frühschwangerschaft (8.-20. SSW) zum Zeitpunkt der höchsten hCG-Serumkonzentrationen auf. Sie zeigt keine strenge Korrelation zur absoluten Höhe der hCG-Spiegel. Bei niedrigem hCG-Spiegel < 50 000 U/l ist die Diagnose jedoch sehr unwahrscheinlich. Mit dem Abfall der hCG-Konzentrationen kommt es zu einer raschen Besserung und spontanen Rückbildung der Hyperthyreose. Eine spezifische Behandlung ist in der Regel nicht erforderlich. Der kurzzeitige Einsatz eines Thyreostatikums empfiehlt sich nur bei schweren klinischen Auswirkungen, ausgeprägten Zeichen einer Hyperthyreose oder lang anhaltendem Verlauf.
Auch Erkrankungen des Trophoblasten (Blasenmole, Chorionkarzinom und Hodentumoren) können über die Freisetzung von schilddrüsenstimulierenden Faktoren (hCG, hCG-Variantformen) eine Hyperthyreose unterhalten, die in ihrem Verlauf eng mit der Grunderkrankung assoziiert ist und nach erfolgreicher Resektion oder Chemotherapie der Tumoren rasch abklingt.
Hyperthyreose in der Schwangerschaft
Bei vorbestehendem Morbus Basedow wird die immunologische Aktivität durch die Schwangerschaft in charakteristischer Weise beeinflusst. Eine hohe Krankheitsaktivität und erhöhte Rezidivgefährdung bestehen in der Frühschwangerschaft und in der Postpartalzeit (3.-6. Monat). Das 2. und 3. Trimenon sind dagegen remissionsbegünstigende Zeitabschnitte.
Eine thyreostatische Therapie in der Schwangerschaft muss der gleichzeitigen Therapie von Mutter und Kind Rechnung tragen und weicht von dem bei einer nicht schwangeren Patientin üblichen Vorgehen ab.
Das Risiko der unbehandelten Hyperthyreose stellt eine erhöhte Rate an Aborten und Frühgeburten, eine erhöhte perinatale Mortalität, die Gefahr der Auslösung einer thyreotoxischen Krise bei der Entbindung durch den Geburtsstress und eine erhöhte fetale Missbildungsrate (Herzfehler) dar. Das Risiko liegt im Bereich von 3-6 %.
Die thyreostatische Therapie kann nach den vorliegenden Studien bei adäquater Durchführung die Komplikationen des Schwangerschaftsverlaufs verhüten, die kindliche Missbildungsrate in den Normbereich senken und ist selbst in niedriger Dosierung, wenn überhaupt, nur in geringem Umfange teratogen.
Als Risiko der Medikation wird die Thiamazol-Embryopathie mit einer Häufigkeit des Auftretens von 1 :1000 bis 1 :10000 behandelter Hyperthyreosen in der Schwangerschaft angegeben. Die Risikoabwägung fällt daher nach heutigem Kenntnisstand zugunsten der Therapie aus.
Indikation zur thyreostatischen Therapie
Hyperthyreose in der Schwangerschaft (Morbus Basedow)
Keine Indikation (in der Regel)
Subklinische Hyperthyreose
Schwangerschaftshyperthyreose
Hyperthyreose bei hCG-produzierenden Tumoren (Blasenmole, Chorionkarzinom)