Nuklearmedizinische
Klinik, Klinikum Herford
Chefarzt
Dr. med. H. Arlt
Schilddrüse
Schilddrüsenkarzinom und Radiojodtherapie
Planung der Radiojodtherapie
Voraussetzung für eine ausreichende lodspeicherung des Tumorgewebes ist die vorherige weitgehende Entfernung der normalen Schilddrüse und ein dokumentierter erhöhter TSH-Serumspiegel (> 20-30 m U/l) bei hypothyreoter Stoffwechsellage.
Die Untersuchung wird daher im Abstand von 3-6 Wochen nach der Thyreoidektomie durchgeführt. Postoperativ darf keine Thyroxinmedikation oder lodsupplementation erfolgen. Eine vorbestehende Thyroxinmedikation muss mindestens 4 Wochen vor der Radioiodszintigraphie abgesetzt werden.
Bei gravierenden Auswirkungen der Hypothyreose kommt eine Umstellung auf Triiodthyronin (3 x 20 µg) in Betracht, das 14 Tage vorher abgesetzt wird oder niedrigdosiert (20 ug/d) bis zur Therapie, die dann erst 1-2 Wochen später möglich ist, fortgesetzt werden kann.
Durch den Einsatz von rekombinantem humanem TSH zur Stimulation rhTSH der lodaufnahme lässt sich die für den Patienten belastende hypothyreote Phase umgehen. Die erfolgreiche Anwendung (Gabe von 0,9 mg Thyrogen® i.m. an Tag 1 und Tag 2, Radioiodapplikation an Tag 3, Ganzkörperszintigramm und Thyreoglobulinbestimmung an Tag 5) und gute Verträglichkeit dieses neuen Therapieprinzips konnte in klinischen Studien gezeigt werden.
Jedoch war in den ersten groß angelegten Vergleichsstudien bei etwa 13 % der Patienten die endoge TSH-Stimulation der exogenen Applikation des rekombinanten Stimulators im direkten Vergleich in der szintigraphischen Tumordarstellung noch überlegen. Die nahe Zukunft wird zeigen, ob sich die Methode durchsetzen kann. Diese exogene TSH-Stimulation eignet sich für Patienten ohne ausreichende endogene TSH-Reserve (hypophysäre Insuffizienz) und für Patienten mit lodkontamination.
Durchführung der Radiojodtherapie
Die Dosierung des auf nüchternen Magen oral als Natriumiodid verabreichten Radiopharmakons 131lod beträgt:1-3 GBq (Standard), Herddosis > 300 Gy,bei ausgedehnter Metastasierung 5-10 GBq.Eine kumulative Dosis von 37 GBq sollte nicht überschritten werden.
Nach Radioiodtherapie kann die Vormedikation ohne Einschleichen wieder aufgenommen werden.
Die Therapie wird in 3- bis 6-monatigen Abständen solange wiederholt, bis eine völlige Tumorablation erreicht ist.