Nuklearmedizinische
Klinik, Klinikum Herford
Chefarzt
Dr. med. H. Arlt
Schilddrüse
Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
Therapiedauer einer thyreostatischen Therapie
hängt von der Art der Hyperthyreose ab.
• Kurzzeittherapie (bis zum Erreichen einer Euthyreose und Durchführung einer definitiven Therapie) bei
funktioneller Autonomie und bei Morbus Basedow mit Rezidivhyperthyreose
• Langzeittherapie (1-1,5 Jahre) bei Morbus Basedow (Erstmanifestation)
• Eine Dauertherapie mit Thyreostatika wird aufgrund ihrer fehlenden kausalen Wirkung und potenziellen
Nebenwirkungen nicht empfohlen. Ausnahme: multimorbide Patienten, bei denen weder eine Operation
noch eine Radioiodtherapie möglich ist, oder Patienten, die beide Therapieoptionen ablehnen.
Wirksamkeit einer thyreostatischen Therapie
• Euthyreoserate innerhalb der ersten 4-6 Therapiewochen 80-90 %
• Remissionsrate (anhaltende euthyreote Stoffwechsellage nach Absetzen des Thyreostatikums): bei
Autonomie der Schilddrüse 1-5 %, bei Morbus Basedow (nach 1 -jähriger Therapie) ca. 50 %.
Eine schlechte Prognose mit hoher Rezidivneigung haben Patienten
- mit großer Struma (> 50 ml),
- persistierend hohen TSH-R-Ak-Titern nach 1-jähriger antithyreoidaler Behandlung
- und supprimiertem TSH 4 Wochen nach Beendigung der thyreostatischen Medikation,
eine gute Prognose Patienten
- mit kleiner Schilddrüse,
- negativen TSH-Rezeptorantikörpern bei Therapieende nach 1 Jahr
- und einem basalen TSH-Spiegel, der 4 Wochen nach Absetzen der Thyreostatika im
Referenzbereich liegt.
Rezidivprophylaxe nach einer thyreostatischen Therapie
Bei Autonomie der Schilddrüse ist nach Erreichen der Euthyreose eine definitive Therapiemaßnahme
(Radioiodtherapie oder Operation) indiziert, da die Hyperthyreose nach Absetzen des Thyreostatikums
ansonsten rasch wiederkehrt.
Bei Morbus Basedow hat sich die ursprünglich propagierte Rezidivprophylaxe mit Levothyroxin
(Ruhigstellung) in mehreren Folgestudien eindeutig als nicht wirksam erwiesen und sollte daher heute nicht
mehr angewendet werden.
Empfohlen wird dagegen eine Nikotinkarenz, da Raucher ein höheres Rezidivrisiko haben.
Nach dem ersten Rezidiv wird eine definitive Therapie empfohlen.