Zurück

Behandlungsgrundsätze Schilddrüsenkarzinom

Die nachfolgenden Behandlungsgrundsätze orientieren sich an den aktuellen Leitlinien:


Therapieschema für das differenzierte Schilddrüsenkarzinom  

Primärtherapie:

Die Thyreoidektomie ist indiziert bei: 

1. papillärem Karzinom mit einem Durchmesser von mehr als 1 cm (ab T2) sowie multifokalem papillärem Karzinom jeder Größe (jedes T mit Zusatz b)

2. follikulärem Karzinom

     3. medullärem Karzinom

     4. undifferenziertem Karzinom, sofern kein organüberschreitendes Wachstum vorliegt 

Ausnahmen: 

1.

Bei solitärem, papillärem Karzinom mit einem größten Durchmesser von 1 cm oder weni­ger (pT1a) und fehlendem Hinweis auf Lymphknotenmetastasen ist die Lobektomie oder Hemithyreoidektomie onkologisch adäquat.

2.

Bei nach beidseitiger subtotaler Schilddrüsenresektion zufällig gefundenem solitärem papillären Karzinom bis 1 cm (pT1a) ist eine Nachoperation nicht erforderlich, sofern der Tumor im Gesunden reseziert ist und keine Hinweise auf Lymphknotenmetastasen bestehen.

3. Bei gekapseltem follikulärem Karzinom mit einem Größendurchmesser von 1 cm oder weniger (pT1a), das postoperativ nach Lobektomie oder subtotaler Resektion nachgewiesen wird, ist unklar, ob die komplette Entfernung des restlichen Schilddrüsengewebes die Prognose verbessert. 

Regeleingriff ist die (totale) Thyreoidektomie mit zentraler Lymphknotendissektion und unter Identifizierung der Nn. recurrentes inferiores und Erhaltung mindestens einer Nebenschilddrüse.


Medulläres Karzinom  

Bei sporadischem medullären Karzinom erfolgt obligat die ipsilaterale, bei familiärem Karzinom die beidseitige systematische laterale Halslmphknotendissektion
Ausnahme: Bei allein durch Genscreening identifizierten Patienten erfolgt lediglich die Thyreoidektomie mit oder ohne Lymphknotendissektion in Abhängigkeit von Mutation, Alter und penta­gastrinstimuliertem Calcitoninspiegel.


Operationsbedingte Nebenwirkungen:

Von besonderer Bedeutung ist hier die Beurteilung einer postoperativen Rekurrensparese. Bei einseitiger Läsion und Ausfall der inneren Kehlkopfmuskulatur der betroffenen Seite sind hinsichtlich der Atmung im Regelfall keine wesentlichen Einschränkungen zu erwarten. Die Störung der Stimmfunktion kann gering (lediglich die Singstimme ist betroffen), aber auch massiv mit Beeinträchtigung der normalen Stimm-/Sprechlage ausfallen. Durch logopädische Schulung ist die Ausbildung einer tragfähigen Sprechstimme wieder zu erreichen. Eine Erholung des Nerven nach Zerrung, Dehnung oder Teilläsion ist bis zu einem Ablauf von 6 – 12 Monaten möglich.

Bei der beidseitigen Rekurrensparese steht die Beeinträchtigung der Atemfunktion des Kehlkopfes im Vordergrund. Bei einer Durchtrennung beider Nervi recurrentes kommen glottiserweiternde Maßnahmen wie laserchirurgische Stimmband-(teil-)resektionen oder eine Lateralfixation des Stimmbandes zum Tragen.


SEITENANFANG