Was ist eine Schilddrüsenautonomie?
Die Schilddrüsenautonomie ist gekennzeichnet durch ein von körperlichen Einflüssen unabhängiges Wachstum der Schilddrüse und der Hormonproduktion. Der Jodmangel ist als ein wesentlicher Einflussfaktor bei der Entstehung der Schilddrüsenautonomie anzusehen. Nach nuklearmedizinischen diagnostischen Gesichtspunkten wird die unifokale und multifokale Schilddrüsenautonomie unterschieden. Die diagnostische Einteilung mittels Szintigraphie und Sonographie sowie die Kenntnis der Serumkonzentration von thyreoid-stimulierendem Hormon und freien Schilddrüsenhormonen sind wichtige Ausgangspunkte für die weitere Therapieentscheidung.
Wie macht sich die Autonomie bemerkbar?
Anfangs nur in den Laborwerten, später durch die Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion mit Nervosität, Schlafstörungen, Schweißausbrüchen, Gewichtsverlust, Durchfällen, Haarausfall. Ältere Patienten haben oft vergleichsweise diskrete Beschwerden und fallen erst durch Herzbeschwerden auf, meist ein Engegefühl im Brustkorb bei psychischer oder körperlicher Belastung (Angina pectoris) oder durch Herzrhythmusstörungen mit schnellem, unregelmäßigem Puls (Vorhofflimmern), oft verbunden mit Luftnot.
Was ist bei einer Schilddrüsenautonomie zu beachten?
Unter Jodzufuhr kann es zu u. U. lebensbedrohlichen Entgleisungen der Schilddrüsenfunktion kommen. Meiden Sie daher bis zur abgeschlossenen Behandlung Ihrer Schilddrüsenautonomie jede Jodzufuhr von außen in Form von jodiertem Speisesalz, Jodtabletten, Wundsalben, Desinfektionsmitteln und Hustensäften. Sollte sich die Gabe von jodhaltigem Röntgenkontrastmittel nicht vermeiden lassen, so muss bereits vor der Untersuchung die Jodaufnahme in die Schilddrüse medikamentös blockiert werden.
Auch eine "latente" Schilddrüsenüberfunktion sollte behandelt werden, denn sie hat langfristig ungünstige Auswirkungen auf Herz (erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern und Schlaganfälle) und Knochen (Osteoporose).
Eine Schilddrüsenautonomie bildet sich nicht von selbst zurück. Die medikamentöse Behandlung dient nur zur Überbrückung bis zur definitiven Behandlung durch Operation oder Radiojod.
Wie erfolgt die medikamentöse Behandlung
Die medikamentöse Therapie dient zur Beseitigung der akuten Schilddrüsenüberfunktion und der Vorbereitung kurativer Verfahren wie Operation, Radiojodtherapie oder Sklerosetherapie. Da die Langzeitbehandlung mit
Thyreostatika die Ursache der Erkrankung nicht beseitigt, ist sie nur in Ausnahmefällen als Langzeittherapie indiziert, wenn die ablativen Verfahren nicht zum Einsatz kommen können oder vom Patienten abgelehnt werden.
Bei der medikamentösen Behandlung verordnet man sog. Thyreostatika. Die Dosierung dieser Medikamente muss an die aktuelle Schilddrüsenfunktionslage angepasst werden und erfordert dazu regelmäßige Kontrollen des Blutes durch Ihren Hausarzt. Seltene Nebenwirkungen können dabei sein:
Bei der chirurgischen Therapie wird aufgrund neuer Erkenntnisse zur molekularen Pathophysiologie der Erkrankung eine funktions- und morphologieadaptierte und in Zweifelsfällen eher großzügige Resektionsstrategie angestrebt.
Die 1942 erstmals bei einer Schilddrüsenüberfunktion eingesetzte Radiojodtherapie, gut etabliert als Nebenwirkungsarme Alternative zur Chirurgie, konnte durch eine Neufassung der Strahlenschutzverordnung und daraus resultierender Senkung der mittleren Verweildauer der Patienten ihre Attraktivität weiter erhöhen.
Die neue ablative Methode der Sklerosetherapie erscheint nach nunmehr fünfjährigen Verlaufsbeobachtungen insbesondere bei Autonomievolumina von unter 30 ml sowie bei Patienten mit erhöhtem Operationsrisiko oder Dialysepatienten als mögliche Alternative zur Chirurgie und Radiojodtherapie.