Nuklearmedizinische
Klinik, Klinikum Herford
Chefarzt
Dr. med. H. Arlt
Schilddrüse
Schilddrüsenfunktionsstörungen
Amiodaron
Die Therapie erfolgt in differenzierter Weise:
Bei iodinduzierter Hyperthyreose (Typ l) empfiehlt sich die Kombination eines Syntheseblockers (Thiamazol) mit einem Blocker des Natriumiodidsymporters. Deshalb wird eine hochdosierte thyreostatische Therapie (Thiamazol 40 – 80 mg/d) bevorzugt in Kombination mit Perchlorat (3 x 300 mg, 3x15 Gtt) durchgeführt, die allerdings wegen der hohen lodbelastung oft erst nach Wochen anspricht.
Die Thyreostatikagaben müssen unter entsprechender Überwachung des Blutbildes erfolgen. Sowohl die Agranulozytoserate liegt unter einer hoch dosierten antithyreoidaien Medikation höher als auch die dosisabhängige Leukopenie.
Die Hyperthyreose bei amiodaroninduzierter Thyreoiditis (Typ II) wird mit Glukokortikoiden behandelt.Mischtypen werden durch Kombination beider Therapieprinzipien behandelt. Bei krisenartiger Entgleisung oder Therapieresistenz wird eine Thyreoidektomie erforderlich.
Die Entscheidung zur Notfallthyreodektomie stützt sich auf klinische Parameter der Beurteilung der Hyperthyreose und kardialen Situation und weniger auf Laborwerte.
Eine Radioiodtherapie ist oftmals nicht möglich, jedoch bei ausreichendem Uptake und nichtgegebenem Zeitdruck bis zum verzögerten Wirkungseintritt bei einigen Patienten diskutabel.
Nach dem medikamentösen Beherrschen der Akutsituation ist im Intervall nach Abklingen des lodexzesses in jedem Fall eine definitive Behandlung (Radioiodtherapie oder Operation) anzustreben.
Absetzen von Amiodaron
Die pharmakologischen Eigenschaften lassen ein abruptes Absetzen von Amiodaron keineswegs sinnvoll und ratsam erscheinen. Zum einen ist Amiodaron als sog. T3-Antagonist wirksam, d. h., es vermindert die Wirkung von T3 auf zellulärer Ebene. Möglicherweise ist dies einer der Mechanismen, die für die hohe antiarrhythmische Effektivität verantwortlich sind (kardiale Hypothyreose). Zum anderen ist aufgrund der Lipophilie und langen Halbwertszeit die Nach- Wirkung des Medikamentes ohnehin lang anhaltend (2 Monate).
Das Absetzen des Medikaments wird daher gezielt, überlegt und kontrolliert nach Etablierung einer antithyreoidalen Therapie durchgeführt, in Abhängigkeit vom Typ der Hyperthyreose und dem Härtegrad der kardiologischen Indikation.
Im Falle einer iodinduzierten Hyperthyreose (Typ I) ist Amiodaron möglichst unter kontrollierten Bedingungen abzusetzen.
Bei der amiodaroninduziertenThyreoiditis (Typ II), die im Vergleich zum Typ l in ihrer klinischen Ausprägung häufig wesentlich milder, in ihrem Verlauf selbstlimitierend ist und in die Hypothyreose übergeht, kann die Medikation mit Amiodaron in den allermeisten Fällen beibehalten werden, ohne dass dies negativen Einfluss auf den weiteren Verlauf nimmt. Bei der im Vordergrund stehender Ausschüttung von präformierten Hormonvorräten durch die Zerstörung der Follikelarchitektur kommt dem Einsatz von Syntheseblockern (Thiamazol, Carbimazol, Propylthiourazil) kein wesentlicher Stellenwert zu.