Nuklearmedizinische
Klinik, Klinikum Herford
Chefarzt
Dr. med. H. Arlt
Schilddrüse
Schilddrüse und Alter
Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
Die klinische Symptomatik einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) ist oftmals schwer einzuordnen, da sie dem normalen Alterungsprozess ähnlich ist. Sie besteht in allgemeinem Leistungsabfall, Müdigkeit, Antriebsarmut, Konzentrationsstörungen, verminderter Gedächtnisleistung, depressiver Stimmungslage, verstärkter Kälteempfindlichkeit, Gewichtszunahme. Der schleichende Beginn und die langsame Progredienz führen zu einem unmerklichen Verfall des Patienten.
Aufgrund der unsicheren klinischen Kriterien ist der frühzeitige Einsatz einer gezielten Labordiagnostik zu empfehlen.Hier eignet sich in idealer Weise die Bestimmung des basalen TSH, das bei der primären Hypothyreose bereits im subklinischen Stadium erhöht ist. Bei erhöhtem TSH schließt sich die Bestimmung des fT4 zur Unter- Scheidung einer subklinischen oder manifesten Hypothyreose an. Die sonographische Untersuchung mit Darstellung einer auffällig echoarmen kleinen Schilddrüse kann richtungsweisend für die Diagnose einer Autoimmunthyreoiditis sein.
Differenzialdiagnostisch darf das nicht substitutionsbedürftige sog. Low-T3/T4-Syndrom, das bei schweren Allgemeinerkrankungen auftritt, nicht mit einer Hypothyreose verwechselt werden.
Die Behandlung der Hypothyreose im Alter erfolgt durch Substitution mit reinem Levothyroxin. Thyroxin-Triiodthyronin-Kombinationspräpate werden derzeit generell nicht empfohlen, da sie nicht wirksamer, jedoch nebenwirkungsreicher sind.
Kontraindikationen für eine Substitutionstherapie mit Levothyroxin bei Hypothyreose gibt es nicht. Der Bedarf an Levothyroxin nimmt im Alter um ca. 30 % ab.Bei einem lange bestehendem Hormonmangel wird eine einschleichende Dosierung empfohlen, beginnend mit 25 µg/d.Bei guter Verträglichkeit kann die Dosissteigerung auf 100 µg innerhalb von Wochen erfolgen, bei Patienten mit kardialen Problemen (Angina pectoris) ist oft nur eine sehr langsame, schrittweise Dosisanpassung über Monate (Steigerung um 12,5-25 µg alle 4-6 Wochen) möglich.Bei vorbestehender Angina pectoris ist individuell sowohl eine Besserung als auch Verschlechterung (infolge des erhöhten Sauerstoffverbrauchs) nach Thyroxingabe möglich.
Bei Neuauftreten von pektanginösen Beschwerden oder deren Zunahme unter Levothyroxin ist eine Dosisreduzierung zu empfehlen und es sollte eine kardiologische Diagnostik (Koronarangiographie mit möglicher Intervention) vor erneuter Dosissteigerung durchgeführt werden.