Nuklearmedizinische
Klinik, Klinikum Herford
Chefarzt
Dr. med. H. Arlt
Schilddrüse
Schilddrüse und Alter
Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
Das Spektrum der Ursachen einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) zeigt bei betagten Patienten im Vergleich zu jüngeren eine deutliche Verschiebung zugunsten einer Autonomie der Schilddrüse. Doch kommt ein Morbus Basedow im höheren Lebensalter durchaus vor. Es sollte auch an die seltene Koexistenzvon Autonomie und Morbus Basedow in derselben Schilddrüse (Marine-Lenhart-Syndrom, Häufigkeit ca. 1 %) gedacht werden.
Die klinische Symptomatik im höheren Alter unterscheidet sich deutlich von der typischen Manifestation im jungen Alter:
Symptome der Hyperthyreose im Alter sind Antriebsarmut, allgemeine Schwäche, Ermüdbarkeit, Gewichtsabnahme, Inappetenz, Ödembildung, Herzinsuffizienz, Dyspnoe, Tachyarrhythmia absoluta, Angina pectoris, Verwirrtheitszustände, depressive Syndrome, Psychosen, plötzliche Besserung einer Hypercholesterinämie.
Der entscheidende diagnostische Beitrag besteht darin, an die Möglichkeit der Hyperthyreose zu denken. Die Verdachtsdiagnose Hyperthyreose lässt sich einfach und kostengünstig durch Bestimmung des basalen TSH ausschließen oder erhärten
Bei normalem TSH-Wert ist das Vorliegen einer Hyperthyreose praktisch auszuschließen (mit Ausnahme eines sehr seltenen TSH-produzieren-den Hypophysentumors). Bei erniedrigtem TSH ergibt sich die Notwendigkeit einer erweiterten Diagnostik mit der Bestimmung der peripheren Schilddrüsenhormone fT4, fT3 (oder T3) zur Unterscheidung einer subklinischen von einer manifesten Hyperthyreose und mit dem Einsatz bildgebender Verfahren zur ätiologischen Einordnung der Erkrankung
Die differenzialdiagnostische Abklärung anderer Erkrankungen beinhaltet die Gefahr einer Kontrastmittelgabe und dadurch bedingten weiteren Verschlechterung der Hyperthyreose.
Therapeutisch stehen wie im jüngeren Lebensalter prinzipiell die drei Therapieoptionen Thyreostatika, Radioiodtherapie und Operation zur Verfügung. Aufgrund der im Alter häufigeren Autonomie, der schwereren Auswirkungen eines Rezidivs und der zu erwartenden Notwendigkeit einer Kontrastmittelgabe ist in der Regel eine definitive Sanierung anzustrebenEine uni-, multifokale, disseminierte Autonomie sowie ein Morbus Basedow sind bei nicht allzu großer Struma (< 60 ml) in hervorragender Weise für eine Radioiodtherapie geeignet.
Bei mechanischer Beeinträchtigung, großen Strumen, zusätzlichem Vorliegen kalter Knoten und gegebener Operationsfähigkeit wird nach entsprechender thyreostatischer Vorbehandlung bis zum Erreichen der Euthyreose eine funktionelle Strumaresektion anzustreben sein. Problematisch sind multimorbide Patienten mit schweren Begleiterkrankungen, denen weder eine Operation noch der stationäre Aufenthalt zur Durchführung einer Radioiodtherapie zugemutet werden kann.
Hier bleibt oft nur die Alternative einer langfristigen, niedrigdosierten thyreostatischen Therapie durch den betreuenden Arzt. Meist kommt man dabei mit Dosen von 2,5-5 mg Thiamazol täglich aus. Bei der Autonomie erfolgt keine Zugabe von Levothyroxin (Monotherapie). Das TSH sollte in den niedrig normalen Bereich (ca. 0,5 mU/l) eingestellt werden.
Bei dringlicher Notwendigkeit einer Kontrastmitteluntersuchung ist eine Blockade der Schilddrüse mit einer kombinierten Gabe von Perchlorat und einem Thyreostatikum notwendig.