Nuklearmedizinische
Klinik, Klinikum Herford
Chefarzt
Dr. med. H. Arlt
Schilddrüse
Schilddrüse und Alter
Struma
Schilddrüsenerkrankungen nehmen mit dem Lebensalter zu. Dies gilt für die Hypothyreose und Hyperthyreose gleichermaßen, die unter Einbeziehung ihrer subklinischen Manifestationen bei älteren Menschen eine Häufigkeit von bis zu 15 % erreichen.
Auch die Schilddrüsenwachstum nimmt im Alter im Gegensatz zu einer verbreiteten Ansicht keineswegs ab, sondern zeigt im günstigsten Falle eine Befundkonstanz, in zahlreichen Fällen aber auch eine kontinuierliche Größenzunahme über das 7. Lebensjahrzehnt hinaus.
Die Erkrankungen erfahren häufig Abweichungen von ihrer typischen Ausprägung. Die Diagnose ist oft schwierig und es erfordert besondere Aufmerksamkeit, Schilddrüsenerkrankungen im Alter nicht zu übersehen.
Schilddrüsenvergrößerung (Struma)
Die immer noch zu oft geübte Praxis einer Nichtbeachtung des Krankheitswertes einer Struma führt zu einer Verlagerung des Problems in das hohe Alter. Mit zunehmender Zeitdauer des Bestehens einer Struma kommt es zu einer verstärkten Ausbildung von regressiven Veränderungen und Knotenbildungen in der Schilddrüse. Vormals euthyreote Strumen zeigen im Verlauf von Jahrzehnten einen Übergang in die subklinische und schließlich manifeste Hyperthyreose.
Diagnostisch ist daher - im Gegensatz zum Vorgehen bei Jugendlichen, welches sich meist auf die Sonographie und Bestimmung des basalen TSH beschränken kann - in vielen Fällen eine umfangreiche Abklärung angezeigt:TSH, fT4,fT3 (oder T3), Sonographiequantitative Szintigraphie und evtl. Wiederholung der Szintigraphie mit Uptake-Messung unter Suppressionsbedingungen zur Abschätzung der Relevanz einer Autonomie und Beurteilung des Risikos einer iodinduzierten Hyperthyreose durch Kontrastmittelgabe.
Feinnadelpunktion zur Dignitätsbeurteilung von kalten KnotenThoraxröntgenaufnahme zur Beurteilung einer substernalen Struma, Tracheazielaufnahme mit Saug- und Pressversuch und Lungenfunktion zur Beurteilung des Vorliegens einer Trachealstenose bzw. Tracheomalazie.
HNO-ärztliche Untersuchung bei Heiserkeit zur Differenzierung einer altersbedingten Veränderung von einer Beeinträchtigung der Funktion des N. recurrens sowie eine weitergehende allgemeine internistische Abklärung und erforderlichenfalls Diagnostik zur Klärung der Operationsfähigkeit des Patienten und Einschätzung des Operationsrisikos.
Die medikamentösen Therapieoptionen sind limitiert einsetzbar und von beschränkter Wirksamkeit.
In den Fällen, in denen lod (100-200 ng/d) oder Levothyroxin in nicht TSH-suppressiver Dosierung (50-100 ug/d) eingesetzt werden kann, wird durch die Behandlung im Gegensatz zum jüngeren Patienten meist keine Rückbildung der Struma erzielt. Bereits eine Verhinderung des weiteren Strumawachstums muss als Erfolg angesehen werden.
Die Entscheidung zur Strumaresektion ist häufig problematisch und individuell, unter Abwägung zahlreicher Einflussgrößen, zu treffen.
Hilfreich sind Antworten auf folgende Fragen:
Besteht eine absolute Operationsindikation (z. B. Beeinträchtigung der Atmung, Tracheomalazie, Malignomverdacht)?
Wie stark sind das Beschwerdebild und die Beeinträchtigung des Patienten durch die Struma?
Liegen zusätzliche Erkrankungen (z. B. obstruktive Lungenerkrankung, Herzinsuffizienz, Zenker-Divertikel, Ösophaguskarzinom) vor?
Wie ist der weitere Spontanverlauf (Strumawachstum, Gefahr einer Hyperthyreose) über die nächsten Jahre einzuschätzen (Befundkonstanz - rasche Zunahme)?
Wie ist die Operationsfähigkeit des Patienten zu beurteilen? Können alternative Behandlungsverfahren (Radioiodtherapie) angewendet werden?