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Nuklearmedizinische Klinik, Klinikum Herford
Chefarzt Dr. med. H. Arlt
 

 

Ultraschall-Diagnostik

   

Biopsie

   11.06.05

Organ-Punktion-Übersicht

  

Indikationen und Fragestellung:


Die Punktion dient der Diagnostik, der Einstufung des Stadiums und der Verlaufskontrolle verschiedenster Organerkrankungen, zum Beispiel von Leber- oder Nierenerkrankungen, die durch bildgebende Diagnostikverfahren nicht näher definiert werden können und genauerer Abklärung bedürfen. Sie kann die Weichen für ein operatives oder nicht-operatives Vorgehen bei Tumorerkrankungen stellen sowie über Art und Umfang einer medikamentösen Therapie (zum Beispiel Chemotherapie) entscheiden.

Unterschiedliche Punktionsarten

·   Bei den Punktionen unterscheidet man zwischen sonographisch gesteuerter Feinnadelpunktion (Zytologie)

·   und sonographisch gesteuerter Cutting-Needle (Histologie)

·   sowie der Lebergrobnadelpunktion (nach Menghini). 

Punktionsarten                                                                                           Nadel Ø

Feinnadel-Aspiration: Zytologische Beurteilung fokaler Veränderungen = 0.7 – 0.9 mm

Feinnadel-Biopsie: Histologische Beurteilung  fokaler Veränderungen    = 0.9 – 1.2 mm

(= Cutting-Needle)

Menghini:  Histologische Beurteilung diffuser Veränderungen              = 1,4 mm

 Indikationen

  • Feinnadelpunktion und Cutting-needle dienen zur Abklärung unklarer abdominaler Raumforderungen insbesondere von Leber und Pankreas, die sonographisch gesteuert punktiert werden können.
  • Eine Lebergrobnadelpunktion nach Menghini ist indiziert zur Abklärung eines generalisierten Leberparenchymschadens, z.B. bei Zirrhose oder vor antiviraler Therapie einer Hepatitis.

Durchführung

 ·    Zuerst wird die Haut desinfiziert.

·    Es folgt die örtliche Betäubung der Haut und empfindlicher Organteile.

·    Nach ausreichender Einwirkzeit wird eine dünne Punktionsnadel unter sonographischer Kontrolle gezielt in das Organ vorgeschoben.

·    Dann wird im nächsten Schritt der Punktionsnadel eine Spritze aufgesetzt, mit der ein Unterdruck erzeugt und ein kleines Gewebestück (Biopsie) oder Gewebsflüssigkeit zur feingeweblichen Untersuchung entnommen wird.

·    In einigen Fällen gelingt es nicht sofort, das Gewebestück (Gewebszylinder) zu gewinnen. Auch können körperliche Besonderheiten die Organpunktion verhindern, sodass die Punktion gegebenenfalls an anderer Stelle wiederholt und unter Umständen mithilfe eines anderen Verfahrens, zum Beispiel computertomographiegestützt, punktieren muss.

·    Die Gewebe- und Flüssigkeitsentnahme ist in der Regel schmerzfrei, nur die Punktion kann als unangenehm oder schmerzhaft empfunden werden. Hier soll als Beispiel die Leberpunktion erwähnt werden, bei der Schmerzen mit Ausstrahlung in die rechte Schulter auftreten können (Folge einer Zwerchfellreizung). Bei Bedarf werden Schmerz- und/oder Beruhigungsmittel verabreicht.


Risiken und Nebenwirkungen:

·         Blutung

·         Verletzung von Haut, Blutgefäßen, Nerven oder Gewebe (Organen)

·         Peritonitis (Bauchfellentzündung)

·         Sepsis (Blutvergiftung)

·         Gefühlsstörungen

·         Untergang des punktierten Organs

·         Beeinträchtigung der Atmung oder des Herz-Kreislauf-Systems

Komplikationen, die in seltenen Fällen auftreten können,

·   sind Blutungen und Blutergüsse,

·   ferner in den seltensten Fällen Austritt von Blut in die Bauchhöhle bei der Leberpunktion oder in den Raum hinter der Bauchhöhle bei erfolgter Nierenpunktion.

·   Dabei kann es noch einige Tage lang nach erfolgter Punktion bluten, wobei die Blutungen allerdings selbstständig zum Stillstand kommen.

·   Sehr selten kann eine Blutübertragung bzw. Übertragung von Blutbestandteilen nötig werden.

·   Ebenfalls sehr selten ist der Austritt von Körperflüssigkeit, wie zum Beispiel Gallenflüssigkeit oder Magen-Darm-Flüssigkeit in die Bauchhöhle. Die Folge wäre dann eine Bauchfellentzündung bis hin zu einer Blutvergiftung (Sepsis). Zu verhindern oder therapieren ist ein solcher Prozess durch eine Antibiotika-Gabe.

·   Selten sind auch Verletzungen der Haut oder von Weichteilen und Nerven, die zu lokal-entzündlichen Reaktionen mit Bildung von Abszessen oder Absterben von Gewebe sowie zu Taubheitsgefühl oder länger anhaltenden Schmerzen führen können.

·   Nicht unerwähnt bleiben darf auch der eventuelle Verlust des punktierten Organs, zum Beispiel der Niere oder der Milz, aufgrund einer nicht zu stillenden Blutung, was aber extrem selten vorkommt.

·   Soll ein tumorös verändertes Organ punktiert werden, muss man daran denken, dass es zur Verschleppung von Tumorzellen mit Entstehung von Tochtergeschwülsten (Metastasen) kommen kann.

·   Weitere seltene Komplikationen sind die Beeinträchtigung der Atemfunktion bis hin zum Atemstillstand als Reaktion auf die Gabe von Kontrast-, Beruhigungs- und/oder Schmerzmitteln oder infolge einer Überempfindlichkeitsreaktion auf eingespritzte Medikamente.

·   Des Weiteren sind eine Störung des Herz-Kreislauf-Systems und Verletzungen durch die Lagerung vor, während und nach der Punktion möglich.

Für diesen diagnostischen Eingriff bedarf es der schriftlichen Einwilligung des Patienten.

Kontraindikationen:

·   Die Organpunktion sollte u. a. unterlassen werden, wenn Gerinnungsstörungen, lokale Infektionen, eine Peritonitis oder im Falle einer Leberpunktion eine sog. Cholangitis (Entzündung der in und/oder außerhalb der Leber befindlichen Gallenwege) bestehen.

 Vor- und Nachbehandlung:

  • Für die Organpunktion darf der Patient seit mindestens vier bis sechs Stunden vor dem Eingriff weder getrunken noch gegessen haben. Gegebenenfalls muss der Bereich der Punktionsstelle rasiert werden.
  • Nach erfolgter Punktion liegt der Patient für mindestens zwei Stunden auf der punktierten Seite, damit die Einstichstelle zugedrückt und somit der Wundverschluss gefördert und verbessert wird.
  • Es sollte für den ganzen Tag Bettruhe eingehalten werden.
  • In einigen Fällen ist es auch ratsam, erst einmal nichts zu essen oder zu trinken.
  • Ist ein Beruhigungs- oder Schmerzmittel verabreicht worden, so ist der Patient meist erst nach etwa 24 Stunden wieder in der Lage, ein Fahrzeug zu führen.
    Ist die Punktion ambulant erfolgt, so sollte sich der Patient in der Praxis oder der Klinik abholen lassen.
  • Unter Umständen sollte auch für die Versorgung durch eine häusliche Aufsichtsperson gesorgt werden

 

              Organ-Punktion-Übersicht.doc

 

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